Südtour im Roten Meer (November 2009)

Bild von Marco

2009-11-05

Der Tag begann schlicht und einfach schrecklich; nämlich mitten in der Nacht. Nachdem mich Simone und Pierre um 2:30 Uhr in Hartlanden aufsammelten, ging es ab nach Forchheim zum Treffpunkt.

Um punkt 3:15 Uhr ging es mit dem Kleinbus los in Richtung München. Der Fahrer hatte zwar leichte, nervöse Zuckungen beim Lenken (weiße Mäuse auf der Fahrbahn?), wir kamen aber trotzdem, nach einem kurzen Aufenthalt bei McDonalds in Greding, gut am Münchner Flughafen an.

Ab da lief irgendwie nichts mehr so richtig rund. Es begann schon mit dem Gepäcktrolley. Ich dachte, der ist gegen ein Pfand von einem Euro zu haben. Pustekuchen, das Geld ist danach weg. Nicht dass ich wegen dem Euro verarme, aber ich finde es schon dreist, für so etwas Geld zu verlangen.

Danach ging es erst mal zum Einchecken an den Condor-Schalter. In meinem gesamten Reiseleben hatte ich noch nie eine solche Zicke am Schalter! Auch wurde nie zuvor mein Handgepäck gewogen (beim Check-In!). Schließlich kann man ja nach dem Check-In bis zum Einstieg auch noch was kaufen. Wie auch immer, diesmal wurde es gewogen (da ja mein Hauptgepäck unglaubliche 900 Gramm Übergewicht hatte), mit dem Ergebnis, dass ich es aufgeben musste und 25 Euro extra für Tauchgepäck abdrücken musste. Ich war hier nicht der Einzige. Zusätzlich wurde mir und auch anderen erklärt, dass Tauchgepäck immer angemeldet werden müsse und zwar egal, ob man über die 20 kg kommt oder nicht. Ich frage mich nur, wo das denn bitteschön steht?! Egal, ich werde es nicht mehr lesen, da ich mit Condor definitiv nicht mehr reisen werde (außer natürlich den Rückflug bei dieser Reise…). Lieber zahle ich ein wenig mehr für eine tolerantere Gesellschaft.

Nach diesem Negativerlebnis musste unbedingt was Positives folgen. Also ging es erst mal zum Weißbierfrühschoppen mit Weißbier und Weißwürsten. Wenigstens das funktionierte wunderbar.

Der Flug selbst verlief erstaunlich unspektakulär und gab mir Zeit zum dösen. Nach der Landung in Marsa Alam war wieder das Übliche angesagt: Bier kaufen usw.

Wenn ein Tag schlecht anfängt, geht es meist auch so weiter. Die nächste Hiobsbotschaft war, dass der Hafen in Port Ghalib wegen einer Feierlichkeit gesperrt wurde, da unter anderem auch der allseits beliebte Staatspräsident Mubarak teil nahm und wir deshalb zum Hafen von Marsa Alam fahren mussten. Naja, ist zwar einiges mehr an Fahrzeit aber kein Beinbruch. Abends auf dem Boot zwei Bierchen von diesem ekelhaften Grolsch, ne Zigarre und die Welt war erst mal wieder in Ordnung.

2009-11-06

Da im Hafen von Marsa Alam relativ viele Safariboote lagen, rechnete ich eigentlich nicht damit, dass wir noch vormittags auslaufen. Das ägyptische Militär ist da ja bekanntlich sehr eigen. Erstaunlicherweise liefen wir dann aber doch bereits um 9:15 Uhr aus in Richtung unseres ersten Riffs, dem Shaab Marsa Alam.

Dort angekommen, ging ich zusammen mit Ingrid, Stefan und Gerhard um 10:20 Uhr das erste Mal ins Wasser. Es war dann auch ein schöner Tauchgang bei knapp 27° C Wassertemperatur. Ganz nett zum Eingewöhnen, aber nichts Spektakuläres.

Wieder zurück an Board kam dann die schlechte Nachricht schlechthin. Vorab sollte vielleicht erwähnt werden, dass die Safari eigentlich keine Südtour, sondern eine Marineparktour zu den Parks Big Brother Island, Small Brother Island, Deadalus Riff und Zabargad führen sollte. Auf jeden Fall wurde uns von Bernard mitgeteilt, dass, auf der Fahrt vom Hafen zum ersten Riff, die Welle der Steuerbordschraube brach. Da eine Reparatur unmöglich war, war das natürlich der Supergau und das Aus für die Marineparktour. Das war zwar ärgerlich, aber leider kann man schlecht etwas dagegen machen. Bernard versprach aber, dass wir auf jeden Fall eine ganz normale Safari machen können und dass die bereits von ihm bezahlten Marineparkgebühren für uns natürlich nicht fällig werden.

Da das Schiff zur Reparatur auf das Trockendock musste, und zwar so schnell wie möglich, da ja auch eine Safari nach unserer gebucht war, wurden wir nach unserem letzten Tauchtag auch in ein Hotel in Port Ghalib eingebucht, damit die Quick Shadow in Safaga aufs Trockendock kann.

Wir machten am Shaab Marsa Alam noch einen Tagestauchgang und einen Nachttauchgang. Beide waren recht schön und angenehm. Nach einem leckeren Abendessen gab es dann noch eine Shisha, die am Vortag von Rudi in Marsa Alam besorgt wurde, und ein paar Grolsch um die schlechten Nachrichten des Tages zu verdauen.

2009-11-07

Am frühen Morgen, etwa gegen 4:00 Uhr, ging es dann los in Richtung Elphinstone Reef, welches ja eigentlich Shaab Shagra heißt.

Noch vor dem ersten Frühstück machten wir den ersten Tauchgang am Nordplateau. Vom Zodiac aus ging es wegen der starken Strömung direkt runter in die Tiefe. Die Strömung war so heftig, dass wir von Ingrid, Holger, Rudi und Bernard getrennt wurden. Stefan, Gerhard und ich warteten noch kurz auf ca. 33 m und versuchten dann nach Westen über die Kante zu tauchen. Es bleib beim Versuch; die Strömung war einfach zu stark. Wir tauchten also an der Ostseite des Riffs in Richtung Boot. Dank der Strömung war der restliche Tauchgang ein Naturkinoerlebnis. Einfach reinlümmeln und das wunderschöne Riff vorbei ziehen lassen. Es war ein schöner, aber auch anstrengender Tauchgang an diesem Tag. Das Elphinstone Riff ist und bleibt ein wunderschönes, aber eben auch ein tückisches Riff, welches so manchen Tauchplan durchkreuzt.

Der zweite Tauchgang führte uns an die Westseite des Riffs und dank der Strömung wurde dieser Tauchgang sehr entspannend. Gerade als ich relativ tief unten war, hörte ich Stefans Banger und schaute nach oben. Ein Hai. Ich fragte mich, warum die Viecher immer da sind, wo man selbst nicht ist? Danach sah ich wenigstens noch einen großen Barrakuda aus der Nähe und zwar so nahe, dass ich ihn fast berühren konnte. Am Schluss tauchten wir noch um das Riff herum auf die Ostseite. Anfangs war das zwar ganz nett, jedoch war der Rückweg gegen die Strömung und dadurch auch recht anstrengend. Hätte nicht unbedingt sein müssen.

Nachmittags machten wir dann noch mal einen Tauchgang an der Westseite. Im Prinzip verlief er wie der zweite Tauchgang, nur ohne Hai und großen Barrakuda. Dafür hatten wir eine große Muräne und zum Schluss noch einen kleinen Napoleon.

Nach diesem dritten Tauchgang am Elphinstone fuhren wir zu unserem Nachtankerplatz, dem Riff Abu Dabab 6. Was uns bei der Ankunft als erstes ins Auge stach, war ein aufgelaufenes Safariboot. Es handelte sich hierbei aber wohl um eine „Nasssarnierung“ als um eine Havarie.

Vor dem Abendessen um ca. 18:00 Uhr ging es dann noch mal unter Wasser zum Nachttauchgang. Neben ein paar Garnelen und Federsternen gab es noch ein absolutes Highlight: Meine erste Spanische Tänzerin, die etwa 25 cm groß war.

2009-11-08

In aller Frühe ging es zurück ans Elphinstone Reef. Den Early-Morning-Dive starteten wir dann um etwa zehn vor sieben auf der Westseite des Riffes. Die Strömung war wie am Vortag, nur unwesentlich schwächer, und so konnten wir wieder, wie im Kino, das Riff an uns vorbei ziehen lassen.

Der zweite Tauchgang ging dann runter ans Südplateau und weiter runter an der Westseite, um dann auf den Torbogen zu treffen. Der Torbogen mit seinem „Sarkophag“ ist und bleibt beeindruckend, auch wenn einem diverse Guides immer wieder erzählen, er sei nichts Besonderes. Gerhard, Stefan und ich tauchten durch den Torbogen auf die Ostseite und begannen dort sofort mit dem Aufstieg. Leider war dieser Tauchgang, bei dem wir zu Beginn von einem Barrakuda begrüßt und von einem Napoleon verabschiedet wurden, bereits nach 22 Minuten wieder zu Ende. Die Tiefe fordert halt ihren Tribut und der heißt Luft.

Das war es dann mit Elphinstone. Es waren fünf wunderschöne Tauchgänge, aber irgendwann muss man ja mal weiter.

Wir fuhren also zur Bucht Marsa El Shona. Hier starteten wir den letzten Tauchgang des Tages. Leider hatte ich während des Austauchens wieder eine Umkehrblockierung. Mir machte es also eigentlich nichts aus, dass es der letzte Tauchgang war, da ich ohnehin keinen weiteren hätte machen können. Meine Ohren brauchten einfach eine Pause.

2009-11-09

Nachdem wir nahezu die ganze Nacht in Richtung Safaga durchfuhren, erreichten wir das Riff Abu Ka Fan. Der erste Tauchgang dort war anfangs recht entspannend, allerdings mussten wir später gegen die entspannende Strömung ankämpfen. Rudi, Holger, Simone und Pierre schafften das nicht und wurden von der Strömung regelrecht vom Riff weg geblasen. Gott, oder besser Boje, sei Dank, wurden sie aber schnell gefunden und aufgesammelt.

Der zweite Tauchgang am Riff verlief sehr gemütlich. Wir hatten keine Strömung und konnten uns in aller Ruhe das Riff ansehen.

Nach dem zweiten Tauchgang ging es dann auch gleich weiter zum Riff Shaab Sheer. Der dritte Tauchgang des Tages begann an einem recht unspektakulären Wrack eines Frachters, der vor ca. drei Jahren auf dieses Riff auflief und dann sank. Als wir dann aber weg vom Wrack waren und um die Biegung tauchten, war vor uns ein wunderschöner Steinkorallengarten. Einfach traumhaft, was die Natur hier gemalt hat. Mir hat das alles so gut gefallen, dass ich den Tauchgang erst beendete, als mein Computer keinen Druck mehr anzeigte (das ist bei 7 bar), aber da waren wir ja bereits direkt am Boot.

Den Nachttauchgang machten wir ebenfalls an diesem Riff, direkt am Boot. Leider hatte ich, mal wieder, eine Umkehrblockierung. Während des Tauchgangs sahen wir zwei Wurmseegurken, die wirklich ein Hingucker sind und einige Garnelen.

Für das Abendessen war Grillen angesagt. Es gab frischen Fisch, Hühnerspieße und Hackfleischwürstchen. Genial! Danach brachte der Koch noch einen traumhaften Nachtisch, der mich fast zum Platzen brachte. Es war einfach lecker. Zum Abschluss noch eine Shisha und der Abend war danach, zumindest für mich, zu Ende.

2009-11-10

Im Laufe der Nacht fuhren wir dann das Wrack der Salem Express an. Da wir davon nichts wussten, hatte natürlich keiner von uns Nitrox füllen lassen. Wir tyrannisierten also erst mal Bernard und das das nichts brachte auch Dirk. Und auf einmal ging es. Die Flaschen wurden ausgetauscht gegen Nitrox 32.

Danach ging es runter zur Salem. Allerdings fragten wir (Gerhard, Stefan und ich) uns, wo denn der von Dirk beschriebene Einstieg am Bug ist? Da wir ihn nicht fanden, tauchten wir am Deck der Salem entlang in Richtung Heck. Auf dem Weg dorthin wurden wir dann für den misslungenen Einstieg entschädigt, da uns Tamer auf einen sehr schönen Anglerfisch hinwies, die ja bekanntlich sehr selten zu sehen sind. Treu den Gesetzen von Murphy folgend, fiel genau in diesem Moment mein Blitz aus (Akkus leer). Aber was soll’s, schließlich schoss Stefan ja mehr als genug Bilder. Nachdem die Fotoreihe beendet war, tauchten wir dann noch in das Heck des Wracks. Der Anblick der Gepäckteile verursacht immer noch ein etwas beklemmendes Gefühl und es wird einem schnell bewusst, dass es sich bei diesem Wrack wirklich um einen Friedhof handelt.

Zurück an Bord sprach ich Dirk mal auf den Einstieg am Bug an. Natürlich wäre der nicht direkt an der geöffneten Bugspitze, sondern man muss halt durch die Fenster eintauchen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich verstehe einfach seine Sprache nicht; geht aber wohl nicht nur mir so

Da die Abstimmung an Bord leider nicht zu Gunsten eines zweiten Tauchganges an der Salem verlief, fuhren wir zum Riff Umm Hal Halla. Was die Abstimmung angeht, bin ich der Meinung, dass wirklich nur die abstimmen hätten sollen, die danach auch an diesem Riff oder eben an der Salem tauchen wollten. Wie so oft stimmten aber wieder Leute mit ab (gegen die Salem), die den zweiten Tauchgang ohnehin ausließen. Naja, ist halt Demokratie.

Am Middle Reef, wie Umm Hal Halla auch genannt wird, machten wir den ersten Tauchgang Richtung Westen und den zweiten Tauchgang Richtung Osten. Beide Seiten dieses Riffs sind wunderschön mit Korallen bewachsen, wobei mir persönlich der erste Tauchgang besser gefiel. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass wir beim ersten Tauchgang an diesem Riff einen recht großen Napoleon sahen.

Auch den Nachttauchgang machten wir am Umm Hal Halla. Zwar war unter dem Boot und in der direkten Umgebung nicht viel Buntes zu sehen, aber wir sahen bestimmt hundert Maskenkugelfische. So viele sah ich noch nie zuvor. Während des Tauchgangs fanden wir auch einige Garnelen. Die Krönung dieses Tauchgangs war aber wohl ein Riesenkugelfisch, der seinen Namen auch wirklich verdient hat, da er locker über einen Meter lang war.

Das Abendessen an diesem Abend war wieder mal ein Highlight. Dass es was Besonderes wird, wusste ich, als ich sah, dass der Salon gesperrter Bereich war, da die Crew einiges vorzubereiten hatte. Als uns dann der Koch einließ, staunte ich nicht schlecht, als ich einen ganzen Truthahn auf der Anrichte sah. Um den Truthahn herum waren jede Menge anderer Köstlichkeiten. Da war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

Als wir nach dem Abendessen auf dem Oberdeck saßen, die Bäuche bereits zum Platzen gespannt, läutete erneut die Glocke und der Koch kam die Treppe hoch mit einer Torte zum Nachtisch. Ich frage mich wirklich, wie er das alles in seiner drei Quadratmeter großen Kombüse hin bekommt?!

2009-11-11

In aller Frühe ging es ab zum Panorama Reef, wo wir noch zwei wunderschöne Tauchgänge zum Abschluss machten.

Direkt danach ging es los nach Safaga und alles wurde ein wenig hektisch, da jeder seine Ausrüstung zum Trocknen brachte und danach musste ja alles eingepackt werden.

In Safaga angekommen, stiegen wir in den Bus um und fuhren ca. zwei Stunden nach Port Ghalib zu unserem Hotel, dem Marina Lodge.

Was wäre es für eine Überraschung gewesen, wenn hier alles so gelaufen wäre, wie es eben sollte? Wir mussten erfahren, dass unser „All-inclusive“ nur von 11:00 – 00:00 Uhr gilt. Dazwischen ist es eher ein „Water inclusive“. Tolle Sache! Da hatten wir dann wenigstens noch diesen Abend was davon und am nächsten Tag immerhin noch eine ganze Stunde. Wir gaben natürlich unser Bestes, die 10 Euro auch wirklich auszukosten. Ich denke mal, wir schafften es

2009-11-12

Tag der Heimreise. Alles verlief planmäßig. Selbst am Flughafen wurde nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als ich mein Gepäckstück mit einem Gewicht von 28 kg aufgab. Kein Wort von Übergepäck. Warum läuft in Deutschland nur alles so kompliziert?

Fazit

Trotz der Pannen und der dadurch gekippten Marineparktour, war es mal wieder eine schöne Safari!

Danke euch allen,
Marco

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Marco